Die Grausamkeit, die nicht aufhört
Es gibt da einen Unterschied zwischen Mobbing auf dem Schulhof und Cybermobbing.
Auf dem Schulhof: Dein Kind geht nach Hause. Das Mobbing hört auf.
Im Internet: Dein Kind kommt nach Hause. Das Mobbing folgt ihm nach.
Eine Nachricht. Ein Foto. Ein gemeiner Kommentar in einer Gruppe.
Das Handy ist immer dabei. Das Mobbing auch.
Was ist Cybermobbing genau?
Cybermobbing ist, wenn jemand online gemein zu dir ist. Absichtlich. Wiederholt. Mit der Absicht, dir wehzutun.
Es kann aussehen wie:
- Dich in einer Gruppe „hänseln“ oder auslachen
- Geheimnisse von dir weiterzuerzählen
- Gemeine Kommentare unter deinen Fotos
- Dich von der Gruppe ausschließen („Wir treffen uns, aber du nicht“)
- Gefälschte Accounts, um dich zu belästigen
- Peinliche Fotos von dir teilen oder verändern
- Dich bedrohen oder einschüchtern
Das ist nicht „nur Spaß“. Das ist Cybermobbing.
Die Warnsignale erkennen
Wenn dein Kind Cybermobbing erlebt, zeigt es oft Zeichen:
- Es wird plötzlich still oder traurig
- Es möchte nicht mehr zur Schule gehen
- Es hat Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen ohne physischen Grund
- Es schläft schlecht
- Es zieht sich zurück
- Es wirft sein Handy weg oder versteckt es
Wenn du diese Zeichen siehst, frage nach. Nicht anklagend. Sondern: „Mir ist aufgefallen, dass du… Alles ok?“
Die Effekte von Cybermobbing
Das ist kein Bagatelle. Cybermobbing kann ernsthafte Folgen haben:
- Depressionen
- Angststörungen
- Schlafstörungen
- Schulverweigerung
- Selbstverletzung
- Im schlimmsten Fall: Selbstmord
Das klingt dramatisch. Aber es ist real.
Ein Kind, das gemobbt wird, leiden wirklich.
Was Eltern tun können (präventiv)
Schritt 1: Das Gespräch führen
Sprich mit deinem Kind BEVOR etwas passiert.
„Es gibt im Internet Menschen, die gemein sein können. Das heißt Cybermobbing. Wenn dir das passiert, magst du mir’s sagen?“
Das Kind sollte wissen: Du bist auf seiner Seite. Nicht auf der Seite der Mobber.
Schritt 2: Screenshot-Kultur einführen
„Wenn dir jemand Online etwas Gemeines schreibt, mach einen Screenshot. Speichere ihn. Zeig ihn mir.“
Screenshots sind Beweis. Sie sind wichtig.
Schritt 3: Blockieren-Funktion nutzen
Bei WhatsApp kann man Menschen blockieren. Das ist dein bestes Werkzeug.
„Du darfst jeden blockieren, der dir Unbehagliches schreibt. Ohne Fragen. Einfach blockieren.“
Schritt 4: Gruppenchat-Regeln
Nicht alle Gruppen sind sicher.
„Wenn in einer Gruppe gemeine Dinge über jemanden gesagt werden, verlässt du die Gruppe. Du kannst mir dann Bescheid geben.“
Nicht: Bleiben und Mitlesen. Sondern: Gehen.
Was Eltern tun können (wenn es passiert)
Wenn dein Kind dir erzählt, dass es gemobbt wird:
Schritt 1: Höre zu. Glaube deinem Kind.
Nicht: „Das ist nicht so schlimm.“
Sondern: „Das tut mir leid. Danke, dass du mir das erzählt hast.“
Schritt 2: Mache Screenshots
Von all den gemein Nachrichten. Speichern.
Das ist Beweismaterial.
Schritt 3: Blockiere die Mobber
Nicht warten. Nicht hoffen, dass es aufhört.
Sofort blockieren. (Mit oder ohne Rückfrage, je nach Situation.)
Schritt 4: Melde es der Schule
Cybermobbing passiert oft von Schul-Kindern. Die Schule sollte Bescheid wissen.
Schritt 5: Ziehe Profis hinzu
Wenn es ernst ist:
- Schulpsychologe
- Therapeut
- Im extremsten Fall: Polizei (wenn es Bedrohungen sind)
Das ist nicht übertrieben. Das ist notwendig.
Kettenbriefe, Challenges und Momo – Was ist das?
Neben Cybermobbing gibt es noch andere Online-Gefahren:
Kettenbriefe
„Teile diese Nachricht an 10 Freunde, sonst passiert dir Schlimmes.“
Das sind Manipulationen. Dein Kind sollte wissen: Das ist Unsinn.
Was tun:
- Nicht teilen
- Die Nachricht löschen
- Wenn es belastet, über deinen Eltern sprechen
Challenges
Online-Challenges wie „Iss diese Challenge“ oder „Mach dieses gefährliche Ding“.
Manche sind harmlos. Manche sind gefährlich.
Dein Kind sollte verstehen: Nur weil alle es machen, heißt nicht, dass es klug ist.
Momo und Goofy
Das sind Figuren, die online herumspuken und Kindern Angst machen.
Meist sind das Urban Legends (Geschichten ohne Wahrheitsgehalt).
Aber: Sie können echte Angst auslösen.
Wenn dein Kind von Momo erzählt: Nicht panikieren. Sondern: „Das ist eine Geschichte. Momo ist nicht echt.“
Der Umgang mit Fremden online
Das ist eine wichtige Regel:
Dein Kind sollte niemals mit jemandem chatten, den es nicht kennt.
Das ist nicht zu paranoisch. Das ist klug.
Wer kann es sein?
- Ein Erwachsener, der sich als Kind ausgibt
- Ein Bot
- Jemand mit schlechten Absichten
Regel: Nur mit echten Freunden chatten. Bekannte aus der Schule.
Wenn jemand Fremdes anschreibt: Blockieren. Und dem Eltern erzählen.
Die Rolle der Eltern
Deine Aufgabe ist nicht, dein Kind zu überwachen.
Deine Aufgabe ist:
- Es vorbereiten
- Es begleiten
- Es schützen, wenn es nötig ist
- Es zu unterstützen, wenn etwas passiert
Das ist ein Balanceakt. Aber es ist wichtig.
Fazit: Cybermobbing ist vermeidbar (und behandelbar)
Wenn du und dein Kind vorbereitet seid, könnt ihr das zusammen bewältigen.
Es ist nicht Angst-Sache. Es ist Wissens-Sache.

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